Project Description

projekt

Vorweg eine Frage: Welche Relevanz hat Kunst im Bezug auf das Umfeld. Hat Kunst die Fähigkeit zu reflektieren, ja ist das überhaupt die Aufgabe der Kunst?

Die gestaltende Kraft, der durch das Subjekt gegangenen Form, ist einer der Wesensmerkmale vom philosophischen Charakter von Kunst.
In diesem Sinne reflektiert und sublimiert dieses Projekt

Wir leben in einer immer komplexer werdenden Phase der Urbanisierung, bei der alle Bereiche, so auch der ländliche Raum, einer immer stärkeren Umformung nach menschlichen Maßstäben unterworfen ist. Der uns umgebenden, noch verbliebenen ursprünglichen Natur bleibt damit immer weniger Spielraum.

Gerade bei den indigenen (einheimischen) Pflanzen können wir eine Entwicklung feststellen, die genau aufzeigt, dass eine Bedrohungslage zu erkennen ist. Allein im Bundesland Sachsen-Anhalt, das immerhin über ein Flächenanteil von 33,3% an Schutzgebieten verfügt, finden wir laut der Roten Listen eine Entwicklung, die für 436 Biotypen Gefährungskategorien ausweist.

Dieses Projekt möchte eine Sichtung auf der bildkünstlerischen und bildsprachlichen Ebene von Habitaten mit noch verbliebenen, indigenen Pflanzen in unseren Kulturlandschaften vornehmen. Aufgrund der Komplexität des Themas werde ich nur auf einige Pflanzen in großer Bedrohungslage eingehen können, die in wenigen Jahren vielleicht nicht mehr unter uns leben.

Die Bewusstwerdung um die Unwiederbringlichkeit von Pflanzen, die durch das Artensterben verlorengehen, ist dabei ein Hauptziel dieser Arbeit.
Tauchen wir in den Kosmos von Pflanzen ein, entdecken wir ihre Komplexität, Schönheit, ihre Düfte und ihre faszinierende Vernetzung zur umgebenden Natur. Vielleicht macht das etwas mit uns und wir gehen einen ersten Schritt in Richtung innerer Bewusstwerdung und Reflexion in Hinblick auf das Artensterben. Und vielleicht löst es Fragen in uns aus, was das alles mit uns als Spezies zu tun hat und was wir persönlich aktiv tun können und müssen, um Lebensräume nicht weiter zu destabilisieren.

Je artenreicher ein Lebensraum ist, um so stabiler ist er.

Katrin Böhning-Gaese, Deutscher Umweltpreis 2021, Goethe-Universität Frankfurt am Main

In den nächsten Jahrzehnten sind eine Million Arten vom Aussterben bedroht.

Katrin Böhning-Gaese, Deutscher Umweltpreis 2021, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Wir müssen alle etwas tun, um die Biodiversität zu fördern.

Katrin Böhning-Gaese, Deutscher Umweltpreis 2021, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Ein Kilo Rindfleisch braucht das vierzigfache an Anbaufläche
wie ein Kilo Kartoffeln.

Katrin Böhning-Gaese, Deutscher Umweltpreis 2021, Goethe-Universität Frankfurt am Main

6 von 436

Wir befinden uns mitten im 6. Artensterben. Die Prägnanz dieser Aussage muss uns hochschrecken lassen und muss laute Fragen nach dem WIESO und WARUM stellen. Schliesslich sind wir es, die in Hochform in unserer ganz persönlichen Karbonphase stecken und somit Teil der Verursacher des Artensterbens selbst sind.
Vielleicht brauchen wir ganz andere Bilder, um den wirklichen Zustand unserer Welt um uns herum zu begreifen.
Ein Versuch ist diese Sichtung: 6 von 436 Pflanzen. Jede für sich ein Universum, eine große Geschichte, ob botanisch, ästhetisch oder ökologisch betrachtet. Mit jeder Auslöschung dieser 6 Pflanzen, die nun stark vom Aussterben bedroht sind, wird in Kürze ein großes Loch in unser Ökosystem gerissen werden, dass nicht mehr zu heilen ist.

2021-10-15T21:12:24+02:00

orchis morio

Formen wie aus einer anderen Galaxie: Das Kleine Knabenkraut ist eine der letzten Orchideen im Naturpark Unteres Saaletal und stark vom Aussterben bedroht.

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Fussballfelder Regenwald werden pro Minute abgeholzt.
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Tonnen pro Minute schmelzen an aktischen Eises in Grönland.
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km verschiebt sich jedes Jahr die Getreidegrenze vom Equator.

initiativen

Werfen wir einen Blick auf gelingende Initiativen. Sie sollen jeden von uns bestärken ins Handeln zu kommen, Kontakte vermitteln und Impulse geben.

Einer der wirkmächtigsten Verursacher des Artensterbens ist die industrielle Landwirtschaft. Die Grundversorgung mit Lebensmitteln wird auf den Äckern Deutschlands überwiegend durch Monokulturen erzeugt. Multinational orchestrierte Agrochemie und fortschreitende Biotechnologie stehen immer mehr in der Kritik ökologische und Nachhaltigkeits-Grundsätze zu verletzen. Die damit verbundenen Schäden an der Natur, die allzu sichtbare Rückspiegelung in Hinblick auf die Biodiversität betreffen in direkter Linie auch uns Menschen. Die große Frage um die Unvereinbarkeit von Agrochemie und ökologischer Landwirtschaft müssen wir uns mit Sicherheit vollkommen neu stellen. Ein rasantes Bevölkerungswachstum und der Welthunger, ausgelöst auch durch die klimatisch resultierende Verlagerung der Getreidegrenze, machen deutlich, dass wir einen Kompromiss aus ökologischer und industrieller Landwirtschaft finden müssen.

Neben den großen Entwicklungen bilden sich zugleich reihenweise Initiativen, die regional am wirksamsten sind. Entdecken wir Landwirtschaft wieder vollkommen neu und sind selbst Akteure.

diskurs-lab

Dieser Bereich versteht sich als lebendiges Labor zur Erforschung der Geschichte unserer kulturellen Matrix. Hier entstehen in zeitlicher Versetzung Beiträge und Kontemplationen – im Fokus die altera natura-  zu Themen der Philosophie und Gesellschaft. Getreu der Tradition alter Denker erheben die Beiträge keinen Anspruch auf absolute Wahrheiten, sondern sehen sich als Impulsgeber.

Dem großen Scheitern unserer Spezies mit einem philosophischen Diskurs zu begegnen, scheint angesichts der weltweiten Lage geradezu aberwitzig. Jedoch können wir in den frühen Ansätzen der Meisterdenker, innerhalb der europäischen Kultur, bereits die Keime zum Verständnis unserer Lage im 21. Jahrhundert finden.
Während dieser wunderbare Planet deutliche Zeichen von menschengemachter Erwärmung zeigt, polare Gletscher in rasanter Weise abschmelzen, erleben wir einen allzu sichtbaren Kampf um die noch verbliebenen Ressourcen. An unsere Kinder und Enkel scheint dabei niemand mehr zu denken. Wichtigste Meilensteine, wie die legendäre Studie des Club of Rom über die Grenzen des Wachstums von 1972, haben auf unserer kollektiven Agenda nicht den gebührenden Platz um den Erhalt des Planeten einnehmen können.

In dieser Phase der marktradikalen globalen Ökonomien, sind die Blicke auf die kulturelle Matrix, die all das zulässt immer mehr von Nöten. Die großen Fragen um die Zukunftsfähigkeit unserer Spezies, können wir momentan nicht mit einem klaren Ja beantworten.

Was ist das Ziel der Betrachtung von 2500 Jahren abendländischen Wertesystems?

  1. Der Blick auf unsere Matrix kann eine Chance der Bewusstwerdung und Erkenntnis sein. Die Philosophie bietet uns als Kulturleistung die Möglichkeit der Erkenntnis und zugleich die Chance der Intervention in den Zeitgeist, um Irrtümer und Fehler zu finden und zu korrigieren.
  2. Wenn es möglich ist aus Punkt 1 Grundannahmen zu definieren, dann sollten wir diese im Zeitalter eines unkritischen Kulturrelativismus neu verhandeln und zuordnen.
  3. Ein weiterer Blick sollten den Einflüssen der Klerikalisierung und Reklerikalisierung auf Philosophie und Wissenschaften gelten.

Was ist also schief gelaufen? Um uns diese Frage zu stellen, müssen wir in die Anfänge der europäischen Philosophie schauen, zu den alten Griechen. Dort galt bis ins 6 Jhr. vor unserer Zeitrechnung der Mythos. Geschichten, Sagen, die Erzählungen der Alten von einem Homer, das meinte nicht eine konkrete Person, sondern einen mündlichen Überlieferer, der die Storys als meist Lese- und Schreibunkundiger, den ebenfalls Lese- und Schreibunkundigen überlieferte. In diesen Geschichten war die Welt enthalten und erklärte sich aus diesen heraus. Das änderte sich nachweislich mit einem der ersten Denker der damaligen Zeit, Thales aus Milet. Er gilt als einer der ersten Naturphilosophen, die den Mythos durch den Logos ersetzten und konkrete Herleitungen zur Erkenntnis was ist die Welt, lieferte. Neben Thales Begabung Sonnenfinsternisse vorauszusagen, können wir von heute aus betrachtet davon ausgehen, dass damals in die Argumentation die Vernunft einzog.

Der Stoff, aus dem wir sind.
Warum wir Natur und Gesellschaft neu denken müssen

Vortrag von Fabian Scheidler an der Hochschule Stendal, 28. 10. 2020, zu seinem gleichnamigen Buch, das 2021 bei Piper erschienen ist.

Die friedliche Umwälzung – Christoph Pfluger über das neue Geldsystem
Eine der treibenden Kräfte bei der Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlagen, spielt mit Sicherheit das jetzige Geldsystem.
In diesem spannenden Interview äußert Christop Pfluger seine Gedanken über alternative Möglichkeiten und zeigt genau auf welche Reibungsverluste wir verhindern könnten, indem wir einen Wandel herbeiführen. Dank an Gunnar Kaiser für dieses Interview.

altera natura

Es dauerte zwei Jahrhunderte und einige wichtige vorsokratische Philosophen, ehe wir von einen nächsten Meisterdenker und seinem Schüler berichten können, die uns einen wesentlichen Fokus auf unser Thema geben. Platon verfestigte die zentralen Fragen der Philosophie wie Metaphysik, Erkenntnistheorie, Ethik, Kosmologie, Kunsttheorie und vielem anderen mehr. Platon hatte einen begabten Schüler, Aristoteles, der ihm in vielen Punkten seiner Philosophie widersprach. Ein uns heute noch tangierender Bereich war die Auseinandersetzung, ob man die Natur kopieren könne, also gleichsam eine vom Menschen gemachte Natur sinnvoll und möglich sein. Platon ging mit dem Begriff der zweiten, der vom Menschen gemachten Natur, der altera natura Aristoteles nicht mit, sondern sah darin sogar einen Frevel.

In diesem Disput können wir genauer hinein schauen und entdecken gleich mehrere Facetten, die für uns heute noch eine Relevanz haben:

  1. Platons Festhalten an der ursprünglichen Natur und der Sorgen um deren Kopierbarkeit oder besser Nachahmung (Mimesis), lag wohl im Wissen darin begründet, dass wir Menschen damit den inhärenten Kontakt zur ursprünglichen Natur endgültig verlieren würden.
  2. Die Manifestation der altera natura nach Aristoteles öffnete zugleich allen Bereichen die Pforten, ob Bildhauerei, Dichtkunst oder eben auch Philosophie und strahlte weit in die europäische Kulturgeschichte hinein. Findet bei Cicero die altera natura noch lediglichen Bezug auf die Prosa, öffnet sich das Feld für den Begriff in der Spätrenaissance bei Giordano Bruno und am Ende des 18. Jahrhunderts bei Kant, Fichte, Schelling und Hegel. Nun finden wir überall die Vorstellungen in der Philosophie von menschengemachten Verhältnissen, Objekten und Institutionen, die gleich einer zweiten Natur wirksam erscheinen können.

dominium terrae

Die Entwicklung der zweiten Natur ermöglichte einen zivilisatorischen Sprung in ein anderes, nicht nur begriffsgeschichtliches Level. Allerdings sollte es viele Jahrhunderte dauern, ehe wir von einer wirklichen Entwicklung sprechen. Der Epoche der Christianisierung, die sich über lange Zeit hinzog, verdanken wir mit der Übersetzung des Alten Testamentes der Bibel immerhin eine Wesensähnlichkeit zum antike Begriff der altera natura: Im ersten Buch Mose, finden wir im Kapitel 28 jenes bedeutende Motiv, des Dominium terrae, das den Auftrag Gottes an den Menschen ausdrückt, sich die Erde untertan zu machen. Die Installation der Dominium terrae im metaphysischen Kosmos hatte weitreichende Folgen in der Eroberung der Welt durch das Christentum. Die theologische Dogmatik des Mittelalters und der Renaissance, die immerhin behauptete die Welt erklären zu können, stieß allerdings mit dem Aufkommen der neuzeitlichen Philosophie und somit der Naturwissenschaften an ihre Grenzen. Wie eine blutige Spur zieht sich das Zeitalter der Häresie und damit verbundenen Inquisition durch Europa: AbaelardGiordano BrunoGalileo Galilei, um nur drei Schicksale zu nennen, die letztlich ihre neue Weltsicht qua Logik und Vernunft mit dem eigenen Leben bezahlten.

neuzeit

Das Vordrängen von logikgebundener Philosophie und Naturwissenschaften waren eine Reaktion auf die theologische Dogmatik. Allerdings hatte die Radikalität der Weltbilder der neuen Denker etwas erschreckendes: Tommaso Campanella, Dominikanermönch, Dichter, Politiker und Philosoph in Personalunion, beschreibt in seinem Sonnenstaat von 1602, ein Gemeinwesen innerhalb der Grenzen einer päpstlichen Universalmonarchie, wo Katholizismus und Kommunismus gleichsam herrschen. In dieser schönen neuen Welt, wo das Individuum nichts und die Gattung alles bedeutet, verortet Campanella eine neue, mögliche Weltordnung.
Francis Bacon, ebenfalls Philosoph und Politiker, folgt 1614 mit seiner wirkungsgeschichtlich folgenreichen Utopie von Nova Atlantis. In dieser Geschichte tauchen seltsame Bilder auf: Bensalem, eine Insel mit einem Tempel, wo gleichsam die Schätze der Wissenschaftsideen von weisen Männern beherbergt und behütet werden, die zugleich Priester und Wissenschaftler sind. Die radikalste neuzeitlich, philosophischen Strömung, finden wir bei Thomas Hobbes, der als Staatstheoretiker, Philosoph und Mathematiker im England des 17. Jahrhunderts wirkte. Hobbes, der aufgrund seiner Schriften ein Leben auf der Flucht verbrachte, veröffentlichte 1651 seine staatstheoretische Schrift, den Leviathan.
Dieses Werk lässt sich nur im zeitgeschichtlichen Kontext des beginnenden, aufgeklärten Absolutismus begreifen und fordert uns heraus zu verstehen wie brutal sich das mechanistische Weltbild von damals ausformulierte und auf dessen Gedanken die Wissenschaften und die Philosophie späterer Jahrhunderte zurückgreift. Neben den utopischen Ansätzen finden wir sowohl im Leviathan, in Nova Atlantis und im Sonnenstaat denkerische Wesenskerne, der die Philosophie der nachfolgenden Jahrhunderte ebenfalls stark formte.
Einen Meilenstein in der Etablierung des mechanistischen Weltbildes nimmt ohne Zweifel Descartes mit seinem Discours de la méthode ein. Vernunft und Wahrheit stehen hierin auf der Agenda zum Erkennen der Welt, doch zugleich zeigt seine Methode auch den Ist-Stand des Denkens an, deren inneres Credo auch die Beherrschung der Natur einschließt.

Alle Werken dieser Zeit durchzieht wie ein Aderngeflecht das apokalyptische Denken und bestimmt hierbei den gesamten Diskurs, ja bilden zugleich Kulturimpulse für kommende Philosophen. Die Szenarien beziehen sich dabei nicht durchweg auf das Ende der Welt, sondern auf deren Neuschöpfung.